
TRANSNATIONALE BEWEGUNG
Am 8. April 1971 kamen Vertreter:innen aus mehreren europäischen Ländern in der Nähe von London zum Welt-Roma-Kongress zusammen. Die Delegierten reisten unter anderem aus Jugoslawien, Frankreich, der Schweiz, Spanien, Deutschland und der Tschechoslowakei an. Im Mittelpunkt ihrer Versammlung standen die Erinnerung an den Völkermord, der Kampf um gesellschaftliche Gleichberechtigung, die Bewahrung von Sprache und Kultur sowie die Ablehnung diskriminierender Bezeichnungen.
Die Beteiligten führten wegweisende Symbole für die transnationale politische Organisierung von Rom*nja ein – eine gemeinsamen romani Flagge in blau und grün mit einem roten Chakra in der Mitte sowie die romani Hymne «Djelem, Djelem». Später wurde der 8. April zum Internationalen Tag der Rom*nja. Weiterhin beschlossen sie, fortan die rassistischen Fremdbezeichnungen abzulehnen und auf die Selbstbezeichnung Rom*nja auch öffentlich zu bestehen. Die Versammlung wählte den Jugoslawen Slobodan Berberski, einen früheren Partisanen und Weggefährten des Staatschefs Josip Broz Tito, zu ihrem Präsidenten:
«Unser Ziel ist es, die Roma weltweit zu vereinen und zu mobilisieren. Wir stehen überall vor denselben Problemen: Wir wollen an unseren eigenen Bildungsidealen festhalten, unsere Roma-Kultur bewahren und weiterentwickeln, eine neue Dynamik in unseren Gemeinden entfachen und die Zukunft im Einklang mit unseren Lebensgewohnheiten und unserem Glauben gestalten.»
Interviewausschnitt Gratan Puxon:

«Was meine Rolle anbelangt, so betonte ich, dass der Kongress nicht nur eine Konferenz, eine Gesprächsrunde sein sollte. Es musste ein Element der direkten Aktion geben, um zu zeigen, dass wir für Anerkennung und Bürgerrechte kämpfen wollten. Ich stellte einen Trainer an, der alle Delegierten nach Birmingham brachte. In der Stadt Walsall waren nach einer Räumung drei Kinder in einem Wohnwagenbrand verbrannt. […] So stürmten wir in höchster Stimmung, angeführt vom Militärstaatsanwalt Holomek, Delegierter aus der Tschechoslowakei, wütend in die örtliche Polizeistation, um zu protestieren»
(Grattan Puxon, Homepage Roma Center e.V.).
Am zweiten Welt-Roma-Kongress 1978 in Genf nahmen bereits 50 Delegationen aus allen Teilen Europas sowie aus den USA, Indien und Pakistan teil. Sie beklagten weiterhin existierende Diskriminierung und forderten erneut, die Bezeichnung Rom*nja zu verwenden.