"Phabol Lampa" (Brennende Lampe)
Brennende Lampe
Die Lampe leuchtet, die Lampe leuchtet
im Lager,
Die Lampe leuchtet, die Lampe leuchtet im Lager,
Sie leuchtet, sie leuchtet
für unsere Roma,
sie leuchtet, sie leuchtet
für unsere Roma.
Sie leuchtet, sie leuchtet
für unsere Roma,
damit es hell für unsere Roma ist
damit es hell für unsere Roma ist.
Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!
Lass uns gehen und hören, was unsere Roma machen,
Lass uns gehen und hören, was unsere Roma machen,
Lass uns gehen und hören, was unsere Roma machen.
Das Lied Phabol Lampa erinnert an das Schicksal der Rom*nja aus dem Konzentrationslager Niš im heutigen Serbien. Am 20.10.1942 drangen Soldaten in alle fünf romani Mahala (Siedlungen) ein und verhafteten Männer ab 16 und bis ins hohe Alter und deportierten sie in das Lager «Rotes Kreuz». Die Menschen wurden aus dem Lager entweder zur Zwangsarbeit in den Bergbau in Bor (Serbien) oder in andere europäische Konzentrations- und Zwangslager deportiert – oder aber sie wurden direkt in Niš am Berg Bubanj erschossen. Diejenigen, die dem Tod entkamen, mussten die Ermordeten begraben.
Zur Zwangsarbeit wurden auch Rom*nja gezwungen, die nicht im Lager interniert wurden. Insbesondere Frauen mussten für die deutschen Wachen in den Lagern abwaschen, die von den Deutschen gestohlenen jüdischen Häuser putzen und öffentliche Einrichtungen streichen. Rom*nja mussten auch den Erschießungen am Berg Bubanj beiwohnen und die Ermordeten begraben. Dazu wurden auch Kinder zwischen 10–12 Jahren gezwungen. Die Deutschen haben alle Dokumente über das Anhalterlager Niš zerstört, sodass die Zahl der Menschen in den Lagern sowie der Ermordeten niemals genau rekonstruiert werden kann.
Der Überlebende Esad Useinović erinnert sich, wie Soldaten den Vorsitzende der Rom*nja-Gemeinde, Arif, zwangen, durch die Siedlungen zu laufen und alle aufzufordern herauszukommen. Der Vorsitzende lief jedoch durch die Siedlung und rief auf Serbisch: «Leute, steht auf und kommt heraus!», aber auf Romanes rief er: «Lauft weg, wohin ihr nur könnt!» Dank seines Mutes und Geschicks konnten viele flüchten. Trotzdem sind an diesem Tag über 350 Menschen verhaftet worden. Die Polizei erfuhr später, dass Arif die anderen gewarnt hatte, verhaftete und folterte ihn daraufhin. Arif verstarb an den Folgen der Folter.