Leben mit dem Holocaust
Die deutsche Sintizza, Bürgerrechtlerin und Autorin Anita Awosusi gibt in ihrem Buch Einblick in ihre Familienbiografie und in die historischen Ereignisse und Nachwirkungen des Nationalsozialismus. Ausgehend von Gesprächen mit ihrem Vater, dem Musiker und Geigenbauer Hermann Weiß, erzählt Awosusi von seinem Leben und Überleben, von Deportation, Zwangsarbeit, sowjetischer Kriegsgefangenschaft und der Rückkehr in die Heimatstadt Karlsruhe. Zugleich reflektiert sie ihre eigene Entwicklung vom Kind der Nachkriegszeit zur Publizistin und aktiven Bürgerrechtlerin der deutschen Sinti*zze und Rom*nja. Awosusis Buch belegt eindrucksvoll die Bedeutung, die Überlebenden des Nationalsozialismus und ihren Nachkomm:innen für die Vermittlung historischer Ereignisse zukommt.
Anita Awosusi wurde 1956 in Karlsruhe geboren. Sie beteiligte sich am Aufbau des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, einer weltweit einzigartigen Facheinrichtung, die 1997 nach vielen Jahren Vorarbeit in Heidelberg eröffnet wurde. Dort übernahm sie die Leitung des Referats Dialog. Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit als politische Bildnerin organisiert sie mehr als 1.300 Führungen. Sie koordinierte Projekte und Kooperationen der nationalen und internationalen Jugendarbeit, konzipierte Dokumentationen und Lehrmaterialien und gab unzählige Workshops zu Erinnerungspolitik und Aufarbeitung des Genozids. Darüber hinaus machte sie sich als Autorin und Herausgeberin verdient. Anita Awosusi ist heute berentet und weiterhin erinnerungspolitisch aktiv in der IniRromnja und dem Verein RomaniPhen e.V.
Der Holocaust wirkt auch auf die Leben der Enkel:innengeneration nach, wie Anita Awosusis Tochter Tayo Awosusi-Onutor, die auf dem Podium über die Geschichte ihrer Eltern- und Großeltern-Generation berichtet. Die Musikerin und Autorin Tayo Awosusi-Onutor engagiert sich in ihrer Arbeit und mit ihrem Schaffen gegen Rassismus in der Gegenwart. Sie hat den Kinderbuchverlag omobooks gegründet und das Buch Jekh, Duj, Drin. Drei Freundinnen in Berlin veröffentlicht. Außer ihrer Freundschaft haben die drei Freundinnen noch etwas gemeinsam: Jovanka und Kemis Familie sind Rom*nja. Sinas Familie sind Sinti*zze. Die drei Freundinnen gehen in die 4. Klasse einer Grundschule in Berlin und erleben gemeinsam Abenteuer.