Rajko Djurić: Ich bin Yad Vashem
Meine Finger sind aus Blut und Asche.
Die Namen sind auf meiner Hand.
Ich bin
Yad Vashem.
Feuer aß ich.
Rauch trank ich.
In Auschwitz starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Auf Knochen schlief ich.
Die Augen verlor ich.
In Treblinka starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Blut war meine Decke.
Die Haut zog man mir ab.
In Buchenwald starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Meine Tränen gruben ein Grab.
Mein Schrei schuf das Kreuz.
In Dachau starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Alles, was mein war, ist nicht mehr.
In Bergen-Belsen starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Namenlos,
Wortlos war ich.
In Ravensbrück starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Wo ich war – weiß ich nicht.
Ich weiß nur, ich starb.
Ich bin Yad Vashem.
Die Himmel stürzten ein.
Man sperrte mich ins ewige Dunkel.
In Lublin starb ich.
Ich bin Yad Vasham.
Sie schlitzen mir den Leib
Und töteten darin mein Kind.
In Jasenovac starb ich.
Ich bin Yad Vashem.
Ich war hier, war dort.
Auf blutigen, schwarzen Rädern,
In Rauch und Asche verwandelt.
Ich bin Yad Vashem.
Ich besaß ein Roma-Herz.
Als Rom wurde ich getötet.
Ich bin Yad Vashem.
Meine Finger sind aus Blut und Asche.
Die Namen sind auf meiner Hand.
Ich bin Yad Vashem.
Solang die Erde sich dreht,
Wird Rauch sich zum Himmel winden.
Ich bin Yad Vashem.
Solang die Sonne am Himmel steht,
Wird Yad Vashem leben.
Ich bin Yad Vashem.
Solang es einen Gott gibt,
Wird Auschwitz nicht vergessen.