Hajrija Imeri-Mihaljić

  • Estera Iordan (2023, © RomaniPhen e.V.)

Hajrija Imeri-Mihaljić

Hajrija Imeri-Mihaijlić arbeitete als Hausmädchen einer jüdischen Familie in Kosovska Mitrovica, im heutigen Kosovo. 1942 wurden nicht-sesshafte Rom*nja sowie Juden:Jüdinnen aus der Stadt in ein Internierungslager verschleppt. Unter den Verhafteten befanden sich auch Hajrijas Arbeitgeberin, Ester Baruch, und ihre kleine Enkeltochter Ester, genannt Stela. Ester Stelas Eltern, die Jüdin Bukica und ihr Mann Blagoje, hatten sich bereits den Partisan:innen angeschlossen, als sie interniert wurden.

Als Hajrija von der Verhaftung ihrer Arbeitgeberin erfuhr, besuchte sie sie zusammen mit ihren fünf Kindern im Lager. In der kurzen Zeit ihres Treffens gab Ester Baruch Hajrija ihre Enkelin mit und sagte ihr, wenn ihre Eltern überleben sollten, solle sie ihnen das Kind geben. Falls nicht, bat sie Hajrija darum, die kleine Ester als eigenes Kind aufzuziehen. Dass Hajrija das Lager mit einem Kind mehr verließ, als sie gekommen war, fiel niemandem auf. Sie nennt Ester Stela fortan Miradija und zieht sie als eines ihrer Kinder in ihrem Dorf in der Nähe von Kosovska Mitrovica auf.

Gegen Ende des Krieges erzählt Hajrija ihrer Ziehtochter, dass sie nicht ihre leibliche Mutter und ihr richtiger Name Ester Baruch sei. Ihre leibliche Mutter habe Bukica geheißen und sei vermutlich als Partisanin gestorben. Dennoch versucht Hajrija nach dem Krieg, die Familie zu finden. Ihr wird gesagt, die Großmutter Ester Baruch sei im Konzentrationslager Sajmište verschwunden und die Eltern hätten den Krieg nicht überlebt. Durch einen Streit mit einem Nachbarn meldet dieser der örtlichen Polizei, dass Hajrija ein jüdisches Kind entführt habe. Die Polizei nimmt Ester Stela mit. Hajrija folgt ihr zu Fuß. Obwohl es schon mehr als 70 Jahre her ist und sie noch so klein war, erinnert sich Esther Levy, wie Ester Stela heute heißt, an diese emotionale Begegnung mit ihrer Ziehmutter, von der es kein Foto gibt, deren Gesicht sie aber genau beschreiben kann.

Das Kind wird zunächst bei einer jüdischen Familie in Priština untergebracht. Jedoch weigert sie sich zu essen und will zurück zu ihrer Ziehmutter Hajrija. Ester Stela wird daraufhin in einem Kinderheim in Beograd untergebracht. Sie weiß von Hajrija die Namen ihrer leiblichen Eltern und wird noch 1945 mit ihrer Mutter Bukica vereint. Einige Monate später besucht Hajrija sie, um sich zu vergewissern, dass es Ester gut geht. Bukica hat wieder geheiratet und wandert 1948 mit ihrem neuen Mann und Ester Stela nach Israel aus. Das Schicksal des Vaters bleibt unbekannt, wahrscheinlich ist er im Krieg getötet worden. Viele Jahre später erfährt Esther Levy, dass ihre Ziehmutter in Armut gestorben ist. Sie wendet sich an eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte Yad Vashem, um Hajrijas Familie zu finden. Vergebens. Im zerfallenden Jugoslawien sind Hajrijas Kinder nicht auffindbar. Hajrija Imeri-Mihaljić wird 1991 in Yad Vashem mit dem Titel «Gerechte unter den Völkern» geehrt.