Glossar

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  • Gadje-Rassismus

    Ein alternativer Begriff für Antiziganismus. Dabei bezeichnet dieser Begriff die Gruppe, von der der Rassismus ausgeht. Gadje-Rassismus ist also Rassismus, der von Gadje gegen Rom*nja und Sinti*zze ausgeübt wird. Elsa Fernandez hat den Begriff in ihrer Publikation «Fragmente über das Überleben: Romani Geschichte und Rassismus» (2020) eingeführt.

  • Genozid

    Genozid (griech. génos: Geschlecht, Volk; lat. caedere: töten), auch Völkermord genannt, bezeichnet die systematische und gezielte Vernichtung einer Gruppe aufgrund von nationalen, ethnischen, rassistischen oder religiösen Begründungen. Der Begriff wurde 1944 von Raphael Lemkin geprägt und 1948 durch die UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes völkerrechtlich definiert. Als Genozid gelten Handlungen wie die Tötung von Mitgliedern der Gruppe, die Verursachung schwerer körperlicher oder seelischer Schäden, die vorsätzliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf physische Zerstörung abzielen, Maßnahmen zur Geburtenverhinderung sowie die gewaltsame Überführung von Kindern in eine andere Gruppe. Ein Genozid setzt einen Vernichtungswillen voraus, eine Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören. 

  • Manuschengromarepen

    In verschiedenen Varietäten des Romanes wird die Erfahrung dieser umfassenden Vernichtung, der Völkermord an Rom*nja und Sinti*zze, mit eigenen Begriffen benannt:

    Manuschengromarepen ist ein Ausdruck, den viele Sinti*zze aus Deutschland nutzen und der übersetzt «Menschenmord» bedeutet und als «Menschheitsverbrechen» verstanden werden kann. Der Begriff ist von dem Bürgerrechtler und ehemaligen Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma Reinhold Lagrene in Sinti-Romanes eingeführt worden.

  • Pharrajmos

    In verschiedenen Varietäten des Romanes wird die Erfahrung dieser umfassenden Vernichtung, der Völkermord an Rom*nja und Sinti*zze, mit eigenen Begriffen benannt:

    Pharrajmos wurde in den 1990er Jahren in den USA von dem romani Aktivisten und Wissenschaftler Ian Hancock als Porajmos eingeführt und bedeutet «Verschlingen». Es gab jedoch sprachbezogene Kritik an dem Begriff, da er auch weitere Konnotationen beinhaltet. Deshalb wurde später von den romani Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen Ágnes Daróczi und János Bársony der Ausdruck «Pharrajmos» mit der Bedeutung «Zerstörung» bzw. «Vernichtung» vorgeschlagen, um den Begriff deutlich auf den NS-Völkermord einzugrenzen.

  • Polizieren

    Der Begriff Polizieren (abgeleitet vom englischen policing) beschreibt Praktiken der Überwachung, Kontrolle und Regulierung von Personen, Gruppen und Räumen, die über das institutionelle Handeln der Polizei im engeren Sinne hinausgehen. Polizieren umfasst sowohl formelle Maßnahmen staatlicher Sicherheitsbehörden als auch informelle Formen sozialer Kontrolle – etwa durch Ordnungsämter, Sozialarbeit, Nachbarschaften oder private Sicherheitsdienste.

    Aus einer rassismuskritischen Perspektive richtet sich der Blick darauf, wie Polizieren bestimmte Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig betrifft: durch verdachtsunabhängige Kontrollen (Racial Profiling), die verstärkte Überwachung bestimmter Stadtviertel oder die Kriminalisierung von Lebensweisen, die als abweichend markiert werden. Polizieren ist damit nicht nur eine Frage polizeilicher Praxis, sondern ein gesellschaftliches Ordnungsprinzip, das entlang von Kategorien wie Rassifizierung, Klasse und Aufenthaltsstatus wirkt.

    Der Begriff ermöglicht es, die Aufmerksamkeit von einzelnen Polizeihandlungen hin zu den strukturellen und historischen Bedingungen zu lenken, unter denen bestimmte Körper und Räume als kontrollbedürftig hergestellt werden.

  • Racial Profiling

    Racial Profiling beschreibt die diskriminierende Verwendung von rassistischen Zuschreibungen wie ethnische Zugehörigkeit, phänotypische Merkmale, nationale Herkunft u.a. als Grundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Identitätskontrollen, Durchsuchungen, Ermittlungen und Überwachungen ohne konkreten Verdacht. Neben diesen Verstößen führt Racial Profiling auch zu Diskriminierung durch Justiz und Strafverfolgungsbehörden. Racial Profiling wurde von internationalen Gerichten und Organisationen als Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und damit als völkerrechtswidrig eingestuft. Das Diskriminierungsverbot untersagt die schlechtere Behandlung von Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit. Personenkontrollen, die auf Merkmalen wie Hautfarbe oder vermeintlicher ethnischer Zugehörigkeit basieren, fallen unter diese verbotene Ungleichbehandlung.

  • Rom*nja / Roma

    Die international anerkannte Selbstbezeichnung aller romani Gruppen. Roma ist die maskuline Mehrzahl, die feminine Mehrzahl lautet Romnja; das Sternchen (manchmal auch das Doppeltpunkt) meint alle Menschen, die sich selbst keinem der beiden Geschlechter zuordnen.

  • Rom*nja und Sinti*zze

    Diese Selbstbezeichnung beschränkt sich auf den deutschsprachigen Raum, weil Sinti*zze seit Jahrhunderten ebendort als Gruppe bekannt sind. Dabei ist bei der Verwendung darauf zu achten, dass Rom*nja und Sinti*zze unterschiedliche Gruppen sind; es gibt also keine:n Sinti-und-Roma-Mann oder -Frau. Für die maskuline Einzahl wird Rom oder Sinto verwendet. Für die feminine Einzahl wird Romni oder Sintezza verwendet. Wenn Sie das Geschlecht nicht wissen oder die Person sich zwischen den Geschlechtern identifiziert, verwenden Sie bitte Rom*ni oder Sinto*Sintezza, im Plural Rom*nja und Sinti*zze.

    Verwandte Begriffe: Roma und Sinti

  • Rom*nja und Sinti*zze (Roma und Sinti)

    Diese Selbstbezeichnung beschränkt sich auf den deutschsprachigen Raum, weil Sinti*zze seit Jahrhunderten ebendort als Gruppe bekannt sind. Dabei ist bei der Verwendung darauf zu achten, dass Rom*nja und Sinti*zze unterschiedliche Gruppen sind; es gibt also keine*n Sinti-und-Roma-Mann oder -Frau. Für die maskuline Einzahl wird Rom oder Sinto verwendet. Für die feminine Einzahl wird Romni oder Sintezza verwendet. Wenn Sie das Geschlecht nicht wissen oder die Person sich zwischen den Geschlechtern identifiziert, verwenden Sie bitte Rom*ni oder Sinto*Sintezza, im Plural Rom*nja und Sinti*zze.

    Verwandte Begriffe: Romni, Romnja, Rom*nja, Rom, Rom*ni, Sintezza, Sinto, Sinto*Sintezza, Sinti*zze

  • Samudaripen

    In verschiedenen Varietäten des Romanes wird die Erfahrung dieser umfassenden Vernichtung, der Völkermord an Rom*nja und Sinti*zze, mit eigenen Begriffen benannt:

    Samudaripen ist in Ex-Jugoslawien eingeführt worden und setzt sich zusammen aus den Wörtern «alle» und «Ermordung». Der Begriff wird im Sinn «vollständiger Vernichtung» genutzt.

  • Völkermord

    Völkermord (Genozid) ist ein juristischer Begriff und ein Straftatbestand im internationalen Recht. Er bezeichnet die Absicht der Vernichtung einer national, ethnisch, rassistisch oder religiösen definierten Gruppe. Der Unterschied zu anderen Morden und Kriegsverbrechen ist die Absicht, eine gesamte Gruppe zu vernichten. Für weitere Erklärung siehe Genozid.

  • Zigeuner / rassistische Fremdbezeichnung

    Rassistische Fremdbezeichnung für Rom*nja und Sinti*zze, die seit Jahrhunderten verwendet wird. Die genaue Herkunft des Begriffs ist nicht abschließend geklärt, doch war seine Verwendung historisch stets mit Zuschreibungen von Unterlegenheit und mit Ausgrenzung verbunden.

    Einzelpersonen wie auch unsere Selbstorganisationen plädieren entschieden für die Abschaffung dieses Begriffs – denn die Bezeichnung wurde von außen auferlegt, ist untrennbar mit rassistischen Stereotypen verknüpft und diente als Instrument der Verfolgung.  Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Rom*nja und Sinti*zze in Konzentrationslagern mit dem Buchstaben „Z” und einer Nummer gekennzeichnet – eine Praxis, die die Namen der Menschen auslöschte und sie auf eine Kategorie der Vernichtungspolitik reduzierte.

    Ein wichtiger Moment des Widerstands gegen diese Fremdbezeichnung war der erste Internationale Romani Kongress 1971 in der Nähe von London: Vertreter*innen von romani Selbstorganisationen beschlossen dort die öffentliche Zurückweisung des Begriffs und setzten die Eigenbezeichnung Roma als politischen Selbstbestimmungsakt durch. Seitdem ist die Forderung nach der Verwendung der Eigenbezeichnungen – international Roma, in Deutschland Sinti und Roma – ein wesentlicher Bestandteil unserer politischen Emanzipationsbewegungen.